Wenn dir das bekannt vorkommt, bist du nicht allein. Anerkennung ist eines der größten Dauerthemen für Sicherheitsbeauftragte (SiBes) – und die gute Nachricht ist: Sie lässt sich aktiv herstellen. Nicht durch den Titel, sondern durch drei sehr konkrete Verhaltensweisen, die sich in jedem Betrieb umsetzen lassen, unabhängig von Größe, Branche oder Chef.
Der Denkfehler: Anerkennung kommt nicht automatisch mit der Rolle
Viele Sicherheitsbeauftragte gehen unbewusst von einer falschen Annahme aus: dass die Anerkennung quasi im Amt mitgeliefert wird. Sobald man offiziell Sicherheitsbeauftragter ist, würden Kollegen und Führungskräfte das schon zu schätzen wissen. In der Praxis stimmt das so nicht. Der Titel allein bewirkt nichts – ebenso wenig wie das bloße Melden von Mängeln nach dem Motto „Hier läuft was nicht, da müssen wir was tun.“
Ein zweiter, sehr verbreiteter Denkfehler betrifft große Projekte. Die Idee dahinter: Wenn ich erstmal die komplette Gefährdungsbeurteilung überarbeitet oder die Unterweisungen im Betrieb neu aufgestellt habe, dann werde ich als wichtiges, unterstützendes Mitglied des Unternehmens wahrgenommen. Hier lohnt sich ein genauer Blick auf die eigene Rolle: Für Unterweisungen ist grundsätzlich die Führungskraft verantwortlich, nicht der Sicherheitsbeauftragte – wer sich hier einbringt, unterstützt, übernimmt aber keine eigenverantwortliche Aufgabe. Große Projekte dauern zudem lange, bleiben bis zum Schluss unsichtbar, und am Ende wird der Erfolg oft eher der Führungskraft oder der Fachkraft für Arbeitssicherheit zugeschrieben als dem SiBe im Hintergrund.
Was also tatsächlich funktioniert, sind nicht die großen, seltenen Meilensteine, sondern die vielen kleinen Dinge, die im Alltag sichtbar werden.
Hebel 1: Kleine, sichtbare Erfolge statt großer Projekte
Wer immer wieder im Gedächtnis bleiben will, muss nicht auf das eine große Projekt warten. Es sind die kleinen, wiederholten Handlungen, die im Kollegenkreis tatsächlich ankommen – weil sie konkret sind, schnell passieren und mit einem Gesicht verbunden sind.
Ein paar Beispiele aus der Praxis: Ein neuer Kollege kommt ins Team. Bevor er an die Maschine geht, nimmt sich der Sicherheitsbeauftragte kurz Zeit für ein informelles Gespräch über die persönliche Schutzausrüstung – nicht als offizielle Unterweisung, sondern als kollegialer Hinweis. Oder: Beim Rundgang fällt eine defekte Notausgangsbeleuchtung auf, die Meldung ans Gebäudemanagement geht direkt raus. Oder: Ein Gabelstaplerfahrer hat eine Palette so abgestellt, dass der Fluchtweg eingeschränkt ist – ein kurzer, freundlicher Hinweis genügt, und das Problem ist gelöst.
Entscheidend ist dabei nicht nur die Handlung selbst, sondern dass sie auch beiläufig sichtbar gemacht wird – ohne Selbstlob, aber auch ohne sie zu verschweigen. Ein kurzer Satz in der Teamrunde reicht: „Übrigens, mir ist vorhin eine kaputte Notausgangsbeleuchtung aufgefallen, ich habe das direkt ans Gebäudemanagement gemeldet.“ Mehr braucht es nicht. Über die Zeit wird daraus ein Muster, das Kollegen und Führungskräfte registrieren: Diese Person ist präsent, kümmert sich, ist verlässlich.
Hebel 2: Die 3-Satz-Technik für mehr Gehör in Meetings
Ein zweiter, oft unterschätzter Hebel liegt in der Art, wie Anliegen kommuniziert werden. Viele Sicherheitsbeauftragte verstricken sich in langen Ausführungen, die in Besprechungen schnell an Aufmerksamkeit verlieren – oder sie werden als notorische Mahner wahrgenommen, die nur Probleme vor die Füße werfen.
Die 3-Satz-Technik schafft hier Abhilfe: Ein Anliegen wird in maximal drei Sätzen verpackt. Satz eins beschreibt das Problem, konkret und ohne Umschweife – etwa „Die Maschine XY verliert Öl.“ Satz zwei benennt die Konsequenz, wenn nichts passiert – Umweltbelastung, verschmierter Boden, Rutschgefahr für Kollegen. Satz drei liefert bereits einen Lösungsvorschlag oder zumindest einen ersten Schritt – zum Beispiel, dass der Bereich schon abgesperrt und der Bestandteiler informiert wurde, oder ein konkreter Vorschlag, wen man beauftragen könnte.
Der Effekt: Führungskräfte reagieren auf diese Kürze und Klarheit positiv, weil sofort verständlich wird, worum es geht und was zu tun ist. Und wichtig zu wissen: Nicht jedes Problem wird sofort gelöst, manchmal treten andere Themen erstmal in den Vordergrund. Wer die Technik aber konsequent anwendet, wird über die Zeit nicht mehr als jemand wahrgenommen, der nur meckert, sondern als jemand, der mitdenkt und Lösungen mitbringt.
Hebel 3: Unterstützer aus den eigenen Reihen gewinnen
Der dritte Hebel betrifft die eigene Position im Betrieb. Viele Sicherheitsbeauftragte agieren als Einzelkämpfer – und das ist auf Dauer anstrengend und oft auch gar nicht nötig. In jedem Team gibt es Menschen, die für das Thema Arbeitssicherheit von Natur aus empfänglicher sind: der Kollege, der selbst einmal einen schweren Arbeitsunfall erlebt hat, oder die neue Auszubildende, die mit frischem Blick auf Risiken schaut, die für alle anderen längst normal geworden sind – ein Effekt, der auch mit dem spürbaren Generationswechsel zusammenhängt, bei dem Gesundheit und Arbeitsschutz für jüngere Beschäftigte oft einen höheren Stellenwert haben.
Diese Personen aktiv einzubinden, bevor ein Thema in die große Runde kommt, verändert die Dynamik entscheidend: Aus „der Sicherheitsbeauftragte, der schon wieder etwas anspricht“ wird eine kleine Gruppe, die sich gemeinsam für Arbeitsschutz einsetzt. Das nimmt Druck von der eigenen Rolle und macht Anerkennung wahrscheinlicher, weil das Thema nicht mehr an einer einzelnen Person hängt, sondern an mehreren Stimmen im Betrieb.
Ein ehrlicher Realitätscheck
Zur Wahrheit gehört auch: Anerkennung kommt nicht immer von außen, und sie kommt nicht sofort. Es wird Führungskräfte und Kollegen geben, die sie schlicht nicht aussprechen, selbst wenn die Arbeit gesehen wird. Wer seine Zufriedenheit ausschließlich davon abhängig macht, ob andere sie bestätigen, macht sich angreifbar. Es lohnt sich, die eigene Leistung auch unabhängig vom Feedback anderer wertzuschätzen – und gleichzeitig geduldig zu bleiben. Die beschriebenen Hebel wirken nicht nach zwei Wochen, oft nicht einmal nach zwei Monaten. Aber bei konsequenter, kontinuierlicher Anwendung stellt sich mit der Zeit eine Verschiebung ein: Menschen fangen an, aktiv das Gespräch zu suchen, weil sie wissen, dass hier jemand mit guten Ideen und einem verlässlichen Blick für Sicherheit sitzt.
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Mehr dazu im Podcast: Diese drei Hebel – kleine sichtbare Erfolge, die 3-Satz-Technik und gezielte Verbündete – bespricht Dario Ostfechtel ausführlich mit weiteren Praxisbeispielen in der aktuellen Folge des Sicherheitsbeauftragten-Podcasts. Jetzt reinhören.
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